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Erstellung eines Erklärvideo zu einer Säure-Base-Titration

Die App Explain Everything lässt sich vielseitig im Unterricht einsetzen. Eine Möglichkeit ist die Erstellung von Erklärvideos von Lernenden. Auf dieser Seite  wird ein Beispiel aus dem Unterricht vorgestellt, wie der Prozess zur Erstellung eines Erklärvideos als Klausurersatzleistung verwendet werden kann.

 

Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine unbekannte Konzentration einer Salzsäure, die mit Hilfe einer Titration ermittelt werden soll. Die Besonderheit bei dieser Ersatzleistung besteht darin, das die Durchführung des Experiments, die visuelle Darstellung der theoretischen Hintergründe und die verschiedenen Betrachtungsebenen von Johnstone in einem Erklärvideo vereint werden.

Bei den Betrachtungsebenen von Johnstone (Abb. 1) handelt es sich um die makroskopische, submikroskopische und symbolische Ebene. In der Chemie werden diese drei Ebenen häufig benutzt. Dabei findet meistens ein zu schneller Wechsel zwischen den Ebenen statt, die von den Lernenden nicht ausreichend wahrgenommen und differenziert werden können. Mit Hilfe des Erklärvideos werden die Lernenden dazu gebracht, die Ebenen bewusst einzusetzen und fachliche Zusammenhänge auf diese Weise zu begründen. Diese soll dazu beitragen, dass die drei Ebenen im weiteren Unterrichtsverlauf auf andere Inhalte übertragen und sicher angewendet werden können.

Abbildung 1: Die drei Betrachtungsebenen nach Johnstone.

Beispielprodukt aus dem Unterricht

Anforderungen an die Erstellung des Erklärvideos

In dem Unterrichtsabschnitt vor der Klausurersatzleitung werden den Lernenden die inhaltlichen Ziele und die Bewertungskriterien vorgestellt und als Arbeitsmaterial ausgehändigt. Die Ziele beschreiben, welche Inhalte und Prozesse in dem Video berücksichtigt werden sollten, jedoch wird nicht angegeben, wie diese Ziele zu erreichen sind.  Dies liegt in der Freiheit der Schülerinnen und Schüler eigene Ideen zur Umsetzung zu entwickeln. Auf der Rückseite des Arbeitsmaterials wird tabellarisch angegeben, wie sich die Endnote zusammensetzt und welche Kriterien zur Bewertung herangezogen werden. Die Notengebung unterteilt sich in drei Teile:

  • Zum ersten in die Benotung des Drehbuchs,
  • zum zweiten in die Benotung des Erklärvideos und
  • zum dritten in die Benotung des Reflexionsberichtes.

Die ersten beiden Produkte werden als Gruppennote vergeben und bei der Reflexion handelt es sich um eine individuelle Note. Aus allen drei Teilen ergibt sich somit eine persönliche Note für jeden Lernenden.

Inhaltsbezogene Kriterien

  • Beschreibt die Titration als analytisches Verfahren zur Bestimmung einer unbekannten Stoffmenge.
  • Erläutert die Begriffe Maßlösung und der Vorlage.
  • Beschreibt die Bedeutung des pH-Wertes für die Titration von Säuren und Basen.
  • Beschreibt den typischen Verlauf einer Titrationskurve.

Prozessbezogene Kriterien

  • Stellt im Video den typischen Aufbau und Ablauf eines Titrations-Experiments mit Hilfe einer pH-Elektrode dar.
  • Stellt im Video die Funktionsweise einer Bürette dar.
  • Stellt im Video eine typische Titrationskurve graphisch dar und kennzeichnet alle charakteristischen Punkte.
  • Stellt im Video die fachlichen Inhalte auf möglichst vielfältige Art und Weise bzgl. der Ebenen nach Johnstone dar.

Bei den inhaltsbezogenen und prozessbezogenen Kriterien handelt es sich um ausgewählte Beispiele. Die gesamte Liste ist auf dem entsprechenden Arbeitsmaterial im Downloadbereich zu finden. Neben diesen Kriterien erhalten die Lernenden zwei Arbeitsmaterialien, die das Verfahren der Titration theoretisch und praktisch darstellt und als Grundlage für die Erstellung des Erklärvideos dient. Jedoch ist das Vorwissen aus den vorangegangenen Unterrichtsabschnitte ebenfalls von großer Bedeutung, um das Thema ausführlich und vollständig bearbeiten zu können.

Die vier Phasen des Unterrichtskonzepts

Abbildung 2: Reihenfolge der einzelnen Phasen.

Phase 1 - Vertrautmachen mit den Apps

In dieser Phase ist es wichtig, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, sich mit den Apps vertraut zu machen und auszuloten, wie Inhalte dargestellt und präsentiert werden können. Zur Erstellung des Erklärvideos wird Explain Everything verwendet. Der Vorteil der Software liegt darin, dass die Lernenden schrittweise an dem Video arbeiten können, indem sie die einzelnen Folien mit Inhalt füllen. Erst am Ende wird beim Exportieren aus den einzelnen Folien ein fertiges Erklärvideo erstellt.

Als Einführung in die Software erhalten die Lernenden die Übungen zu den Grundfertigkeiten im Umgang mit Explain Everything und dem digitalen Messwertsystem. Diese Übungen werden an dieser Stelle nicht  vorgestellt, sondern in einem extra Bereich.

Phase 2 - Erstellen des Drehbuchs

Die Erstellung des Drehbuchs gehört zu der arbeitsintensivsten Phase in dem gesamten Prozess. Die Phase setzt eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Inhalten voraus, sowie die Durchführung der Titrationsexperimente. In dieser Phase werden die Grundüberlegungen zur Struktur und dem Ablauf des Erklärvideos erstellt, sowie die Texte für das Video formuliert.

Das fertige Drehbuch sollte vor der Erstellung des Erklärvideos bei der Lehrkraft abgegeben werden und dient als Referenz für die spätere Reflexion. Wenn bei der Erstellung des Erklärvideos Veränderungen vorgenommen wurden, die vorher nicht absehbar waren, so sollten diese begründet und reflektiert werden.

Phase 3 - Erstellen des Erklärvideos

Die Erstellung des Erklärvideos ist eine sehr spannende Phase, in der die Gruppen an ihren Produkten arbeiten und in der unterschiedlichste Herangehensweisen zu beobachten sind. In dieser Phase wurden Modelle gebastelt, experimentiert und das Video nachbearbeitet und vertont. Die Lehrkraft berät die Schülerinnen und Schüler in dieser Phase bei individuellen Fragen und hat selber die Möglichkeit die Lernenden in ihren Arbeitsprozessen zu beobachten. Dieses ermöglicht neue und interessante Erkenntnisse über die eigene Lerngruppe. Es ist z.B. zu beobachten, wie sonst eher ruhige Schülerinnen und Schüler aktiv mitgestalten und mit Eifer bei der Sache sind.

Phase 4 - Schriftliche Reflexion des Arbeitsprozesses

Die schriftliche Reflexion wurde nach Abschluss der Erstellung des Erklärvideos produziert. Im Blickpunkt standen die einzelnen Arbeitsphasen und die Verknüpfung untereinander sowie eine Bewertung über die methodische Idee zur Erstellung des Erklärvideos mit Hilfe der App. Wichtig ist, dass die Erstellung der Reflexion individuell erstellt wird und den eigenen Lern- und Arbeitsprozess des Schülers oder der Schülerin wiederspiegelt. Aus den Beschreibungen der Lernenden wird deutlich, welche Rolle sie in der Gruppenarbeit übernommen haben und welche Schwierigkeiten aufgetreten sind und wie diese bewältigt wurden. Außerdem kann der Lernende aus der Reflexion wichtige Erkenntnisse ableiten, um bei der nächsten Gruppenarbeit ein anderes Vorgehen zu wählen oder anbahnende Schwierigkeiten früher zu erkennen.

Aus dem Bericht, der etwa ein bis eineinhalb Seiten umfassen sollte, kann auch die Lehrkraft wichtige Erkenntnisse gewinnen. Zum einen erhält die Lehrkraft verschiedene Sichtweisen auf die gleiche Gruppenarbeit von den beteiligten Schülern und kann damit einzelnen Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler erkennen.

Fazit

Aus der Sicht der Lehrkraft ist dieser Zeitraum im Unterricht sehr abwechslungsreich. Die Lernenden arbeiten größtenteils selbstständig an ihren eigenen Ideen. Die Lehrkraft stehe in der Zeit als Berater bei Fragen und Problemen zur Verfügung. Über den gesamten Zeitraum waren eine hohe Motivation und Einsatzbereitschaft erkennbar, die sich z.B. durch eine Weiterarbeit zu Hause zeigte. Folgende Schülerzitate bestätigen diesen Eindruck:

„Dadurch das man in dem Erklärvideo die Informationen selber für andere erklären muss, befasst man sich auch mehr mit dem Thema und lernt besser.“

„An der Unterrichtseinheit hat mir besonders gefallen, dass man vorher ein Drehbuch erstellt hat und somit einfacher und strukturierter das Video erstellen konnte.“

Die größte Arbeitsbelastung für die Lehrkraft beginnt nach der Fertigstellung der Erklärvideos und der Abgabe der Reflexionsberichte. Bei der Korrektur wurden als ersten die Drehbücher und Erklärvideos begutachtet und mit Hilfe der vorher festgelegten Kriterien bewertet und im Anschluss folgte die Bewertung der Reflexionsberichte. Jeder Lernende hat ein individuelles Bewertungsblatt mit Begründung zu den einzelnen Teilaufgaben erhalten. Die Dauer der Erklärvideos lag zwischen 6 und 11 Minuten. Der Korrekturaufwand lag über dem einer normalen Klausur, jedoch hat sich der Aufwand gelohnt. Auf diese Weise war es möglich, ein Verständnis für das Wissen der Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Dazu wurde während der Korrekturen vermerkt, an welchen Stellen in den Videos fachliche Ungenauigkeiten vorhanden waren und diese wurden im  Plenum nach der Rückgabe der Bewertungsbögen mit den Lernenden diskutiert und korrigiert. Die Erklärvideos wurden am Ende dem Kurs über eine Lernplattform zur Verfügung gestellt.

Das benötigten Arbeitsmaterialien